Ich bin Ossi.
Und als die Wende kam, war ich 20. Natürlich kannte ich vorher das Werbefernsehen- wenn es auch noch nicht so schlimm war, wie heutzutage- aber die vielen Plakate und bunten Schilder wo man geht und steht, das war dann schon gewöhnungsbedürftig.
°°
Heute geht ja nichts mehr ohne Werbung, aber ohne Quatsch, so manch guter Tipp hat auch schon mal in Form eines Busses meine Wege gekreuzt.

Aber eine Sache habe ich in besonderer Erinnerung.
1991. Ich wollte zum ersten Mal mit dem Zug meine kürzlich in eine andere Stadt verzogene Mutter besuchen. Mit dabei, ein 3jähriges, aber liebes Lebendgepäck ( mein Sohn, heute mein Admin…wie doch die Zeit vergeht
), eine Riesen-Reisetasche, eine Riesen-Handtasche (die Dinger nenn ich immer Henkel-Berta), einen ziemlich großen, aber leichten Pappkarton mit einer Weihnachtspyramide ( ein Umzugsnachzügler sozusagen) und einen kleinen niedlichen Koffer für’s Spielzeug. So eine Fahrt dauerte da noch ca. 8 Stunden und auch wenn mein Sohn wirklich ein ruhiges Kind war, welches man gut beschäftigen konnte, da musste man sich schon gut ausrüsten. Zielort mit dem Zug war Wuppertal.
Ich wusste auch genau den Fahrplan, wann wir wo halten, habe also auch gewusst, dass wir pünktlich sein werden. Also rechtzeitig Malzeug & Co. eingesammelt, Kind und mich angezogen, alles zusammengerafft, an die Tür gestellt. Lebendgepäck immer im Blick, eine Dame aus dem Abteil wollte so nett sein, mir den doofen Pyramidenkarton dann durchs Fenster rauszureichen. Also, Zug hält, ich mit dicker Tasche raus, Kind und Köfferchen raus, Henkel-Berta schlackerte im Weg rum, Abstand Zug und Bahnsteig sehr kinderungeeignet, zum Fenster wetzen, Heiligtum Pyramide raus…danke…zwei Minuten können verdammt kurz sein, weg war der Zug. Guck und sortier…alles da, nur vom Abholkommando keine Spur. Sind wir überhaupt richtig? Suchender Blick, was steht auf den Schildern?? Genau da, wo man normalerweise ein Schild erwartet mit der Bezeichnung des Ortes, schön zentral über jeder Sitzbank…stand NICHT Wuppertal, sondern SÜDDEUTSCHE ALLGEMEINE! Es hat wirklich noch einige Schrecksekunden gedauert, bis ich das unglücklich versteckte Schild sehr hoch knapp unterm Bahnhofsdach entdeckt hab.
Also wir waren richtig, immerhin standen wir nun zum ersten Mal auf diesem Bahnsteig.
Vielleicht wäre mir das gar nicht aufgefallen, wenn das Abholkommando pünktlich gewesen wäre, sie kamen einen Augenblick später. Aber daran muss ich nun immer denken, wenn es um Werbung an ungeeigneter Stelle geht.
Willkommen in der Süddeutschen Allgemeinen. Willkommen im Westen. Was für ein toller, nachhaltiger erster Eindruck! Und nun bin ich schon so lange mittendrin und hab mich schon längst an idiotische Werbung an idiotischen Stellen gewöhnt….

Aber eine Lieblingswerbung hab ich doch!! Falls es jemand verpasst hat: hier!
Und noch eine kleine Zusatzinformation: nachdem ich 1994 meinen Füherschein gemacht habe, sind wir immer mit dem Auto gefahren, das war echt viel besser und meine Mutti ist 2001 nach Berlin zurückgekehrt (das ist noch besser!
).
Bildquelle: Bilder.net




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