Ich bin nicht besonders tolerant.
Früher hab ich das Gegenteil behauptet.
Vielleicht ist es auch so, dass man in verschiedenen Dingen unterschiedlich tolerant ist.
Ich konnte mir auch mal vorstellen, eine „offene Beziehung“ zu leben. Wenn beide die gleichen Rechte haben – warum nicht? Heute ist alles ein wenig anders (was machst du grad, Großer?), aber schon deshalb, weil ich keine klassische Lebensgemeinschaft lebe.
Aber das meinte ich jetzt gar nicht.


Im Umgang mit Menschen, bzw. in der Entscheidung, mit wem ich etwas zu tun haben möchte oder auch nicht, bin ich rigeros.
Zeit ist mir kostbar. Und ich bin gern allein. Also bin ich nicht bereit, Zeit mit Leuten zu verbringen, die mir nicht wichtig genug sind.

Ich hab zwei beste Freundinnen, beide leben völlig verschiedene Lebensmodelle und da geht immer was. Sie kennen mich auch gut genug, um gar nicht soo oft zu fragen, was man mal machen könnte 
Aber wenn, dann sind die Treffen und Unternehmungen, Weiberabende ect. sehr schön. Telefoniert wird natürlich öfter. Leider sind beide überhaupt nicht computerbegeistert, also nix mit Twitter.
Womit wir beim eigentlichen Thema wären. Twitter.
Das Durcheinander der Bilder hier soll Twitter ein wenig widerspiegeln, denn da kommen die Informationen auch nicht unbedingt sortiert an….

Ich habe schon einmal versucht, Twitterunkundigen eine grobe Vorstellung zu vermitteln, was das ist. Man liest also kurze Nachrichten anderer Leute, aber nur von denen, die man „verfolgt“. Ich suche mir also aus, von wem ich etwas lesen möchte.

Genauso lesen meine Tweets nur diejenigen, die mich verfolgen.
Einige legen größten Wert auf eine große Follower- Schar (erinnert mich ein wenig an „ich hab den Größten!“), brüsten sich dann damit.


Ich freu mich auch über Zuwachs, aber selbst versuche ich die Menge der „Freunde“ im Rahmen zu halten, weil man sonst irgendwann mit dem Lesen gar nicht mehr hinterher kommt.
Also suche ich mir interessante Leute, oft werde ich auch gefunden, dann gucke ich wer ist das, was schreibt der/die, und beobachte selbst. So ist man aber auch immer am (aus)sortieren.

Und was manche schreiben! Eine Dame fing ohne Vorwarnung an, ihre gynäkologischen Probleme und Befunde zu offerieren. Dass sie Hartz 4 bekommt und mit knusprigen 30 keine zumutbare Arbeit findet, aber jetzt eine Auslandsreise plant, konnte man dem dazugehörigen Blog entnehmen.

Oder einen war ich aus irgendeiner Solidarität heraus bereit weiter zu ertragen, der hat mich nach einem nicht persönlichen kritischen Tweet blockiert. (Solche Fälle hebe ich mir in einer Lesezeichenrubrik „Twitterleichen“ auf und äuge immer mal schadenfroh hin). Bei dem Typen bröckeln die Follower weg….
Gelegentlich muss man auch Überlegungen über Körperpflege oder andere Maßnahmen tolerieren, oft aber echt lustig umschrieben und ob es denn überhaupt stimmt – schreiben kann man ja viel- ist der eigenen Fantasie überlassen.
Männer neigen nach einer kurzen, heftig gefeierten Nacht dazu, sich und ihre Umwelt „morgens“ ein wenig genauer zu beschreiben, wollen wahrscheinlich Mitleid. Das weckt Erinnerungen, bestärkt mich darin, dass es wunderbar ist, alleine zu wohnen und wird von mir toleriert.


Mädels, die ihre allmorgendlich notwendigen Rekonstruktionsmaßnahmen beschreiben sind mir peinlich und werden entfernt. Wobei diese Dinge nicht immer wahllos an die Allgemeinheit getextet werden, setzt man den Twitternamen davor, bekommt es der eigentliche Adressat in einer gesonderten Kategorie. Aber bitte: das gesamte WWW kann nun lesen, wo ihr behaart seid und wo nicht…und warum nicht… und wie oft… und womit… hallo… ich will’s nicht wissen!

Und dann die Schleimer! Folgt mir, dann… und folgt noch dem… der gehört zu uns, und die und der und der… manche benehmen sich, als gehöre Twitter ihnen. Da sehe ich auch zu, dass ich wieder weg komme.

Später erkennt man aber gewisse Zusammenhänge und kann ganze Unterhaltungen verfolgen. Fußballspiele werden so live und lebensnah kommentiert, Ausflüge dokumentiert und kommentiert. Das macht Spaß! Und so wird immer mal wieder ein neuer Name erwähnt, geguckt, verfolgt…
Für mich neu, es gibt auch eine Art spontanes … ich sag mal Theater. Teilnehmer definiert (alle verfolgen), die Veranstalterin (trommelt vorher die Teilnehmer zusammen) gibt Stichworte und die Teilnehmer sollen agieren. Mal gucken, was da lustiges bei rauskommt, wenn es mir gefällt, mache ich vielleicht auch mal mit. Tweschichte nennt sich das.

Was mich richtig nervt ist das „Guten Tag“ und „Gute Nacht“ ohne jede weitere vielleicht lustige Information. Wenn ich 100 Leute verfolge und das würde jeder machen, könnte ich schon mal 200 Tweets entsorgen. Etwas anderes ist es, wenn jemand die ganze Zeit „dabei“ war. Wenn der dann meldet, jetzt ist Schluss, finde ich das in Ordnung. Aber den ganzen Tag nix gehört und dann „schlaft schön“. Komm ich mir verarscht vor.
Einen hab ich soeben entsorgt, der hat immerhin rund 1000 Follower (Verfolger), aber ich hab immer nur gelesen „ packe grad Büchersendungen“, „schreibe grad Rechnungen“, „bin jetzt mal weg, müsst ohne mich auskommen..“, „bin wieder da“.. das ist doch Spaßfaktor -10.

Wort- und Bildwitz kommen nicht zu kurz. Fotos, eigentlich aus dem Alltag, skurril, witzig.. Einer schuldet mir immer noch was…sitzt in Friedrichshain im Straßencafe und frühstückt, macht ein Foto, wie die Bedienung das Super-Angebotsschild kreirt und vergisst, uns auf den neuesten Stand zu bringen, was denn da nun so tolles angeboten wurde *grummel* … wollte er eigentlich nachreichen…
Hab den Artikel mal völlig unsortiert mit Bildern gespickt.

So kommt man in der ganzen Welt rum. Eine lustige Ferkelei hab ich mich nicht getraut…nicht jugendfrei, aber auch das wird geboten! Nicht dass Zensursula meine Seite sperrt, die Akteure (…) sahen aber mehr als erwachsen aus
.
Das Wetter spielt auch öfter eine Rolle, und so schreibt einer, hier regnet es und ein anderer (gleiche Stadt) will es nicht glauben und verlangt ein Beweis-Foto.

Aber wie eingangs erwähnt, ich bin ziemlich rigeros, wer fünfminütlich den Blick aus dem Fenster kommentiert -gähn- oder permanent seinen Zustand beschreibt oder nur Eigenwerbung betreibt… wird aus meiner Timeline entfernt.

Sicher ist es auch eine Frage des Alters (aua!), dass mich die Nagellack- oder Schlüpfergrößen-Probleme mancher Hasi’s nicht interessieren.
Manche Teilnehmer sondern auch permanent zwar lustige und auch durchaus wahre Lebensweisheiten ab, aber diese Berieselung halte ich auch nicht lange durch.
Es gibt noch eine interessante Sache; wenn man einem bestimmten Twitterer (?) folgt, sich damit registriert und seinen Standort bekannt gibt ( z.B. Berlin- geht auch ganz genau bis zur Hausnummer) dann kann man sehen, wo die anderen sich befinden, mit denen man zwitschert. Vorausgesetzt sie sind auch registriert. Allerdings entbehrt es jeder Wahrheitspflicht, manch einer hat seinen Standort mitten im Atlantik angegeben, da ist nicht mal eine Insel. Ist also mehr ein Spaßfaktor.
Ganz neu wird es bald so eine Art Interwiews geben, das ist einer Radiosendung nachempfunden. Natürlich wird nur angesprochen, wer sich dafür angemeldet hat (wieder jemand bestimmtes verfolgen, den Initiator sozusagen). Außerdem ist da wohl der Geck, dass man nie weiß, wann es passiert und dadurch ist keine Vorbereitung möglich.
Viele Twitterer kennen sich auch persönlich, unternehmen etwas, besuchen sich gegenseitig. Mir ist noch nicht ganz klar, ob sie sich so kennengelernt haben, oder ob der eine den anderen zu Twitter gebracht hat. Wird beides geben.
Das gefällt mir so oder so.
Natürlich ist Twitter ein fantastisches Nachrichten- und Informationssystem. Hier schreiben reale Menschen, keine gekauften Journalisten mit Maulkorb. Hier kann alles kommentiert und diskutiert werden. Links ohne Ende machen die Runde, mit und ohne Anmerkungen.
Auch Dinge, die die regierungstreuen Medien gern unter den Tisch fallen lassen würden; jüngst die Abschaltung AKW Krümmel (zwei Tage vor den Berichten in den Medien wurde das schon gezwitschert), die Piratenpartei (…), die auch nicht öffentlich-rechtlich propagierten Demos, die Dienstwagenaffäre unserer Ulla… und auch Dinge, die es später ins Fernsehen schaffen weiß die Twitterwelt schon eher.
Also; es ist Kommunikation und Information auf selbstbestimmtem Niveau und wenn auch noch was ins „reale Leben“ rüberschwappt, das ist doch toll?!
(Hab grad gesehen, der blöde Typ, den ich aus Mitleid verfolgt hatte, der mich dann blockiert hat, also die eine Twitterleiche
hat gerade etwas verbreitet, was ich vor 10 Tagen schon auf dem Schirm hatte… ha,ha schlecht informiert sozusagen).
…und ich weiß gar nicht, wie hoch mein Unterhaltungswert ist… aber wenn mir selbst nicht viel einfällt ist entweder Ruhe, oder ich gebe Informationen anderer, die ich für wichtig halte, weiter.
Man muss sich ja nicht krankhaft das Hirn rauszwitschern.


Gibt aber welche, für die kommt dieser Ratschlag zu spät. Böses Miki.




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