Vorhang auf! Gute Unterhaltung bei Miki!

Schlagwort: eisenmangel

Fluch und Segen – moderne Medizin

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Wie Stammlesern bekannt ist, hab ich ein Problem mit meinem Eisenwert im Blut und damit mit meinem HB. (für alle Story’s Apfel klicken!)

Nachdem ich jede orale Substitution nicht vertragen habe – die Kapseln und leider auch die Dragees machen u.a. böse Bauch-Aua – hab ich gedacht, eine Lösung wäre gefunden!:

Substitution per Infusion.

Nach einer Unverträglichkeit des 1. Präparats wurde etwas passendes gefunden. Neulich schimpfte ich sogar über den Doc, der mir –meiner Meinung nach- zu wenig „spendierte“.

Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil!

Ich erhielt also am 1.9.2011 eine weitere Infusion. Derzeit bin ich wieder eifrig am Sporteln und die Körperfettwerte bewegten sich auf die 32 % zu (ja, war vorher zu hoch, ich nenne mich dann freiwillig „schwabbelschlank“), Muskeln steuerten die 33% an. (Normal für Frauen sind ab 30%).

Und was passierte nun? Meine Analysewaage leistet gute Dienste und zeigt ab dem Infusionstag bescheidene Werte. Diese werden derzeit sogar schlechter, trotz laufendem Sportprogramm. Erst dachte ich, dass kann nicht zusammen hängen. Nun weiß ich es besser:

Eine – von sehr vielen!- Nebenwirkungen von Eiseninfusionen:

Lipidperoxidation

Nein, ihr müsst nicht nachlesen, aber es passiert eine zellschädigende Kettenreaktion. Diese hat nun meine Waage offenbar dargestellt und meine Recherchen ausgelöst. Und nachdem Pirat und ich gemeinsam gerätselt haben, Sport- und Speiseplan der letzten Zeit durchgegangen sind und keine großen Verfehlungen entdecken konnten und ich den Begriff „ranzig“ im Zusammenhang mit der chemischen Reaktion erwähnte… gestand er mir vorsichtig, dass ich „anders rieche…“ :question:   :depresive:  Tja, wer sagt das schon seinem Partner gern, aber er darf das. Außerdem war ja nun alles klar. (Ein „Apfelgeruch“ ,der beim derzeit schlechten Zucker möglich wäre, wurde ausgeschlossen..es blieb mangels anderem Ausdruck bei ranzig… naja… :-? ).Meine weiteren Recherchen brachten auch nichts Gutes zum Vorschein.

In diversen Foren las ich, dass nach der 1. Infusion alles toll war (wie bei mir) aber später schlimme Nebenwirkungen auftraten (z.B. Schlaflosigkeit, Übelkeit, dauerhaftes Schwindelgefühl, Gelenkprobleme….). Und was sich in allen Fällen wiederholt: die Ärzte sind ziemlich rat- und hilflos.

Und das hab ich auch gefunden:

„Für generell bedenklich erachtet Professor Klaus Schümann vom Walther-Straub-lnstitut für Pharmakologie und Toxikologie in München eine Eisensubstitution.
Zwar funktioniert die homöostatische Regulation bei Eisenmangel recht gut, indem mehr resorbiert wird.
Ein dauerhafter und massiver Eisenüberschuss lässt sich homöostatisch offensichtlich nicht so leicht regulieren, was eine Eisenüberladung zur Folge haben kann.
Freies Eisen im Organismus reagiert äusserst aggressiv und führt zur Bildung von freien Radikalen.
Diese wiederum setzen gebundenes Eisen frei- es entsteht ein sich selbst verstärkender Reaktionskreislauf, der zell- und organschädigend wirkt. Epidemiologische Studien zeigen, dass Patienten mit vollen Eisenspeichern ein signifikant höheres Krebs-, Arteriosklerose- und Herzinfarktrisiko besitzen.
All das nährt laut Schümann den dringenden Verdacht, dass “hohe Eisenvorräte im menschlichen Organismus ein Gesundheitsrisiko darstellen”.

Quelle(n):

SchümannK: Safety Aspects of lron in Food. Annals of Nutrition &
Metabolism 2001/45/5.91-101

Für Interessierte: Nebenwirkungen der intravenösen Eisentherapie

Bei mir ist bei der Gelegenheit noch der Blutzucker komplett entgleist, bin grad am Basteln, die Pumpe braucht wohl ein neues Basalprogramm. Die für mich typischen, in über 20 Jahren gut funktionierenden Vorwarnprogramme meines Körpers haben versagt (Sehstörungen, zwar hinderlich, aber dadurch reagiere ich immer zeitnah… danke, mein lieber, gebeutelter Körper, ich war für diese Warnschüsse immer sehr dankbar- auch wenn ich gemeckert hab…) :eyes:

Eine Nebenwirkung einer Infusion ist auch (durch den Angriff durch freie Radikale) eine Infektanfälligkeit. Wie hilfreich, dass meine Frau Zucker-Doktor mir gleich mal (5 Tage später) die Grippeimpfung verpasste. Die Grippesymptome erwischten mich am gleichen Tag, wenn auch sehr abgeschwächt. Will hier nicht nur meckern immer… aber jeder Arzt sieht wohl immer nur „seins“. Und alles wissen können die Ärzte eben nicht, daher bin ich generell ein schwieriger (mündiger) Patient.

Und nun werde ich die Infusionen verweigern, ich bin mal gespannt, wie sie nun mit mir weiter-doktern wollen. Aber ich will auch nicht irgendwann als Onko- Patient in der Arztpraxis sitzen. Und ich denke, das hatte mein Häma/Onko – Doc bei seinem „Geiz“ im Blick. Da will ich ihm mal verzeihen, dass er meinen Diabetes vergessen hat. Erstmal muss ich sowieso den Zucker in den Griff bekommen und ansonsten heißt die Parole: weitersporteln und auf Besserung hoffen! Go!

PS: Derzeit steht mir der Sinn nicht sehr nach bloggen & kommentieren… aber das wird wieder…. *hoff*

:eyes:

 

Bin sauer… nee…süß…

Aus nicht bekannten Gründen sinkt immer mein Hämoglobin – Wert in den Keller. Bzw. bekannt ist, dass ich einen Eisenmangel habe, auch der Eisenspeicher ist immer wieder ratzebutz leer. Ursache unbekannt. So.

Nun kann man Eisen substituieren. Hab ich auch schon mehrmals bekommen, die erste Aktion war etwas spektakulärer.

Im Mai ging es mir wieder so schlecht, ich war bei jeder kleinsten Anstrengung sofort völlig außer Puste, so dass ich mich direkt zum Hämatologen geschleppt habe, ahnte was los ist. Durch die begrenzten Bugdet’s der Ärzte kann auch meine Frau Doktor mich nicht ständig ins Labor schicken.

Geschleppt sage ich deshalb, weil man mit so einem schlechten Wert ein wirklich schlaffer Puffer ist. An Sport gar nicht zu denken und nach jeder Aktion platt wie ein Maikäfer auf dem Rücken… :depresive:

Und ich hatte recht: Wert 9,5 (normal 12,o bis 15,5)  Aber ich war vorbereitet (und hab die Infusion praktisch sofort bekommen). :idea:

4 Wochen später war der Wert bei 11,7. Immer noch nicht gut. Zu meinem Ärger Erstaunen wollte der Doc aber warten (worauf??). :ko:  Nun haben wir gewartet und der Wert ist wieder schlecht! (10,7) Grütze! Warum muss man immer warten, bis es wieder richtig Sch… ist??!! :grrr:  Wollte gleich ordentlich auffüllen! Der muss ja auch nicht so rumrennen! Will Sport machen, fit werden!! :question: :-?

Also: nächste Woche- mit völlig unnötiger Verspätung, gibt’s wieder Eisen.

Und als ich zum Doc sagte „..das werd ich wohl gar nicht mehr los…?“ meinte er: „Naja, gibt ja schlimmeres, zum Beispiel Diabetes…“

Erst wusste ich gar nicht, was ich sagen soll. Wie blöd ist das denn? Und es dauerte eine Weile bis er begriffen hat, dass er eine Diabetikerin ob der Tatsache der ständig notwendigen Infusionen mit dem Horror-Krankheitsbild eines Diabetes trösten wollte (er schmückte das auch noch aus…so Spritzen und ständig Blutzucker messen…nein…wie furchtbar…). Als er seinen Fauxpas bemerkte, war’s ihm natürlich maximal peinlich.

Setzen! Fünf!

Ich werde künftig nur noch die widerborstige Patientin geben. Solch eine Warteschleife will ich nicht mehr. In der sportfreien Zeit ist mein Körperfettanteil von 27 % auf fast 40 % gestiegen. Jetzt muss ich wieder alles abstrampeln und bin noch nicht mal fit.

Ich erwarte ja nicht, dass ein Doktor alle Details seiner Kundschaft im Kopf hat, aber immerhin hat er den Monitor vor der Nase. Außerdem weiss er, dass mich meine Diabetologin zu ihm überwiesen hat. Vielleicht sollte er mal den Job wechseln.

Aber Ärzte sind bei mir schon ganz lange keine „Götter in Weiß“ mehr.

Bin sauer. Und süß.

:-? :eyes: :unhappy:

Gurke auf der Flucht – mit Update

Wie ich gestern im Artikel und heute in den Kommentaren geschrieben habe, hat es ja mit meiner Eisen-Infusion prima geklappt. Der Doktor war etwas verblüfft, dass die Patientin das Präparat schon aus der Handtasche zaubert… hat dann aber herzlich gelacht. Noch ein paar überzeugende Argumente von mir und *Augen klimper*, eine Absprache mit den Schwestern (die hatten sehr viel zu tun, unzählige Patienten haben noch auf ihre Infusionen, die aber erst noch „angerührt“ werden mussten, gewartet) und dann konnte ich mich einreihen. :smile: So gedrängelt hab ich auch nicht, weil mir der Weg dorthin ein anderes Mal nun zu viel gewesen wäre, sondern damit es mir ganz schnell besser geht.

Anschließend, es hat insgesamt einige Stunden gedauert, hatte ich mächtig Kohldampf. Die Praxis befindet sich (neuerdings) in einem kleinen Einkaufscenter.
Ich bin gut an einem Asia-Snack, einer Döner-Bude, einer Bratwurstbude, einem Bäcker…. :depresive:  vorbeigekommen. Schnell in einen Discounter rein, Bananen und eine Gurke durften mit. Da ich keine Tüte hatte, hab ich alles in die Obsttüte – diese Dinger, die da so rumhängen- rein getan.

Zum Auto musste ich ca. 500 Meter laufen. Alles belebte Straße, dicke Ampel, überall Leute… (noch an einem Burger King vorbei! 8O ). Am Auto angekommen ist die Gurke weg! Ja, weg!! :cry: :ko:  Ein Loch in der Tüte, Durchmesser so, wie die Gurke dick war, sie muss sich also langsam rausgebohrt haben. Meine Güte, es waren nur 39 Cent, aber ich hab mich soooo geärgert!!! :grrr:

Das muss doch wer gesehen haben! Ich bin ja absolut kommunikativ, hab schon so manchen Regenschirm jemandem hinterher getragen! Und wenn sich bei mir eine Gurke davon macht, sagt niemand was! Bin sauer!

Naja, RICHTIG sauer war ich so lange, bis ich was gegessen hatte, aber doof finde ich es schon, von der Gurke und von den Leuten :what: .
Ob es dir nun besser ergangen ist, du dumme Gurke?? Ist ein Auto nett rüber gerollt? Oder hat jemand hinter mir einen auf „gefunden“ gemacht?

Könnt ihr euch über sowas auch so doll ärgern?

25.05.2011
Das Leben ist doch gerecht! :aaah:  Heute bei „meinem“ Netto gab es Gurken „Kaufe 3- bezahle 2!“ Ha, hab ich also eine Gurke geschenkt bekommen! :smile::smile:

Update 2:

Haste gedacht! Es ist nicht gerecht! Wegen EHEC-Alarm landeten beide Gurken in der Tonne!

Einmal Eisen nachfüllen bitte…

Eigentlich sollte man ja lernfähig sein. Aber irgendwie rücken manche Dinge aus dem Focus und – schwupps“ – ist alles vergessen. Und so wurde ich die letzte Zeit immer schlapper und schlaffer. Zu jedem Schritt muss ich mich „extra“ motivieren und an Sport ist echt nicht zu denken. Da kann man ja denken, wird schon … ja… schlimmer :what: . Als ich eines Tages hier im 1. OG nach Luft schnappend ankam, ging mir ein Licht auf! Das kenne ich doch! Zufällig war ich Ende April mit dem „großen Labor“ dran, also müssten meine Blutwerte recht aktuell vorliegen. Bingo! HB und Eisen unterirdisch. Alles klar!

Nun hab ich am Dienstag (morgen) einen Termin beim Hämatologen. Hab ganz schön drängeln müssen. Und was er nicht weiss: ich bringe das Eisenzeugs gleich mit und er wird mich erst los, wenn ich auch die Pulle intus hab. Normal denkt er sich das so: Frau Miki kommt, lässt Blut zapfen, wartet auf die Werte, geht zum Doc. rein, bekommt die schlechten Werte bestätigt, bekommt Rezept für Eisenzeugs und Termin für Infusion … und geht wieder!
Ha! Drückt mir Daumen! Da ich in einer Apo arbeite, bin ich schon bewaffnet, kann Rezept nachreichen und will die Suppe gleich!
Will mal *nett gucken* üben! Will haben! Will fit sein!  Aber diesmal ohne Umfallen…und so…
(aber durch diese Aktion hab ich in der Praxis einen hohen Wiedererkennungswert! :alien: :doof: :eyes: )

Und wer noch Lust hat, kann hier ein paar Gedanken (und Anekdötchen) von mir zum Thema „krank“ und „gesund“ lesen.

Infusion 2

Heute war es wieder so weit.
Stammleser erinnern sich an diese Geschichte: Wo ist mein Mantel?
Heute stand nun die 2.Infusion an. Natürlich nicht das gleiche Präparat, ich bin ja nicht irre ;)  Aber schlauer. Habe mir ein Hinbringe- und Abhol-Kommando organisiert. Gebracht hat mich mein lieber Sohn und Admin :kiss:  und abgeholt eine gute Freundin aus dem realen Leben (kein Link, sowas gibt’s auch! 8O , kein Blog, kein Twitter!!)
Die Schwestern konnten sich noch gut ans letzte Mal erinnern, daher war ich unter strenger Beobachtung.
Also: Überpünktlich da gewesen, kein Vorteil, erstmal nur rumgesessen, war auch kein weiterer Stuhl im Wartezimmer übrig. Währendessen machten manche Leute sich und anderen das Leben schwer: Kommt so ein Krankentransporter und holt einen Patient ab. Wird von der Schwester gefragt „Nehmen Sie auch Herrn X mit?“ er: „Nö, keene Zeit, hab ooch schon ’n Folgeauftrag, nehme nur Frau Y mit“ und geht.
Kommt Herr X (gaanz niedlicher, dünner, bescheidener Opi) und fragt die Schwester „Kann ich da nicht gleich mitfahren?“ Schwester: „Nein, er hat gesagt, er kann nicht, er hat noch andere Termine, setzen Sie sich mal hin, ich rufe an, dann werden sie sicher auch bald geholt.“
Schwester ruft die Krankentransport-Firma an und sagt dem Opi „Er kommt doch noch mal zurück, geht gleich los.“ Opi ganz besorgt „…aber er hat doch keine Zeit… wegen mir… der arme…auweia..jetzt schafft er wegen mir die Termine nicht…“ Dann kommt der Typ zurück, muffelt rum und rennt dann so schnell mit dem Opi los, dass dieser kaum mitkommt. Der unglückliche Opi also hinterher.
Muss sowas sein? Die Menschen, die in einer onkologischen Arztpraxis behandelt werden, sind nun schon nicht sooo gesund. Und können nicht alle mal ein wenig mitdenken? Muss man sich und anderen immer das Leben schwer machen? Hätte der doofe Fahrer nicht wenigstens selbst in seiner Firma nachfragen können, ob Herr X mit soll oder ob jemand anderes kommt? Sowas ärgert mich. Andere würden dessen Job bestimmt gern und wohl besser machen, mit mehr Menschlichkeit. (mehr …)

Wo ist mein Mantel?

Ich bin Krankenschwester und begegne im Berufsleben oft schwer kranken Menschen.
Obwohl ich immer nur sehr partiell zuständig bin, da ich ja nicht pflege, sondern nur fachliche produktspezifische Hilfestellung gebe, versuche ich mich einzufühlen und auch Bedürfnisse oder Versorgungslücken zu erkennen, auch wenn sie mir nicht auf dem Tablett serviert werden.
Oft erkenne ich auch, dass ich nur für einen Schwatz und ein paar „Mut-mach-Parolen“ geordert werde, was ich aber nicht verübel, sondern im Gegenteil, das Beste an meiner Arbeit ist.
Trotzdem habe ich immer einen Schutzmantel an. Einen Distanz-Mantel. Damit ich ihn zu Hause, oder besser schon im Auto, auch mal ablegen kann, zu kummervoll und sorgenschwer wäre mein eigenes Leben, wenn ich alles mitschleppen müsste.
Aber heute war dieser Mantel weg…
ArztpraxisIch war Patient. In einer onkologischen Arztpraxis, mittendrin. Guten Tag, Name, Termin, bitte kommen Sie mit, wo möchten Sie sitzen, hier die Flexüle, na die Venen sind ja prima, rumms, rin die Nadel, ran die Flasche, abgefertigt. Zwischendurch wurde aufmerksam geguckt, eine Schwester war immer da, also alles bestens.
Nach und nach kamen die anderen Patienten. Eine alte Dame mit Perücke, bei mir Rubrik „süsse Omi“ dachte, sie tut sich einen Gefallen, nah an der Heizung zu sitzen. Ihr war schrecklich kalt, sie war eingewickelt in Decken. Leider hatte sie übersehen, dass sie einen schlichten, unbequemen Stuhl erwischt hatte und quälte sich zunehmend. Dies quälte wieder mich, aber in der Voraussicht auf mindestens 4 Stunden Infusion wollte ich meinen bequemen Relax-Sessel, den alle anderen auch hatten, nicht eintauschen. Bald wurde aber eine Nachbarin neben mir fertig und diesen Stuhl konnte die „süsse Omi“ dann übernehmen. Und trotz ihrer anfänglichen Stuhl-Misere belustigte sie uns mit Story’s von ihrem „Geist“ zu Hause. Ständig fehlt was, Waschmaschine verstellt, Gewürze auf dem Boden verstreut, brauchbares Essen im Mülleimer. Sie hat derzeit täglich Chemo und wenn sie nach Hause kommt äugt sie erstmal vorsichtig, was sich in ihrer Abwesenheit alles wie verändert hat. Dann setzt sie sich in die Küche um sich abzuregen. Und dann versucht sie, das Chaos in Ordnung zu bringen, während ihr „Geist“ sie fragt, was sie schönes eingekauft hätte, war doch so lange weg? Ich hab auch einen Augenblick gebraucht um zu begreifen, dass ihr Geist ihr dement werdender Mann ist.
Was ist für sie schlimmer, ihre Krankheit oder ihr (Quäl-)Geist?
Eine andere Frau war um die 60, auch mit Perücke, das hab ich aber erst zur Kenntnis genommen, als sie davon sprach, dass die Haare weg wären: „…aber was tut man nicht alles, um zu leben…“. Sie war etwas verständnislos ob der dienstlichen Anrufe, die ich erhielt. In einem Gespräch war mir wohl anzumerken, dass ich unter Zeitdruck stand, die Zeit in der Arztpraxis nur mühsam der Arbeitszeit entrissen… Sie erzählte mir, das Leben sei zu kurz, um sich abzuhetzen, der Körper würde sich wehren, man sollte auf ihn hören… Sie hat ja recht, aber (….)
Ein Opi und sein Elend hat mir das Herz abgeschnürt. Lustige derbe Sprüche, ein Berg Zeitungen…los geht’s. Irgendwie aufgeschnappt: Rückfall, jetzt Lungenkrebs, kennt das Procedere. Haste gedacht! Bei der 2. Tüte kommt die Schwester und erklärt ihm, wegen der Nebenwirkungen (Fingernägel könnten abfallen…) bekommt er Eis- Handschuhe. Erst ungläubig (Witz? hoff?), dann , naja, wird schon gehen… und dann kommt die Schwester mit halben Boxhandschuhen! Da sass er nun, nix Zeitung lesen, nix festhalten, nur Löcher in die Luft starren! Ca. 2 Stunden. Danach tat er mir noch mehr leid, Handschuhe weg, Muttis Vesper-Box raus; lecker Schrippen! Die hätte er nun die ganze Zeit gern gegessen! Von wegen kennt sich aus! Es kann alles immer noch schlimmer werden!
Ich will meinen Mantel wiederhaben!!
Aber alle wurden irgendwann fertig (gab noch mehr…) und ich, die sich am gesündesten vorkam ( bei mir sollte wegen schlechter Blutwerte „nur“ Eisen substituiert werden) hatte jetzt meinen Einsatz! Nach ca. 2 Stunden hatte ich schon Herzschmerzen bekommen, ich hab das dann als „heftiges Seitenstechen in Herzgegend“ definiert. Halbe Stunde Pause. Mist. Ick will hier raus! Danach etwas langsamer (Mist!) aber alles ok. Auf einmal: Rechte Hand schwillt an zur Pauke. Linke Hand zieht nach. In meinen Stiefeln wird es aber eng! Nächste Stufe: alle Gelenke schmerzen und bei Bewegung erwarte ich Knarrgeräusche. Rost? Eisen? Äh? Aha, Aufmerksamkeit erfolgreich auf mich gezogen! Schwester: „so, ich mach sie jetzt ab, den Schluck können wir lassen.. ich hab hier ein Medikament..“ „Welches?“ „Prednisolon“ „Will ich nicht!!“ Rückfrage Doktor. Ergebnis: keine Diskussion! Rin! Und dann zur Beobachtung bleiben. Oh nööö.
„Muss auf Toi.“ „Ja gehen Sie mal, aber schließen Sie nicht ab, falls was passiert.“ Hö? Passiert doch nix. Sollte den Tag den Doc ja nicht sehen. Eigentlich. Aber als ich zu mir kam, war er voll mit mir beschäftigt. Hab meine ganze Länge in einem winzigen Toiletten-Vorraum drapiert. Als ich aufwachte, dacht ich noch „warum liegen meine Beine auf dem Kloo?“ Alles klar. Kreislauf stabilisieren. Den Abgang hab ich total verpasst.
Naja, Miki will natürlich gleich heldenmäßig aufstehen, die Schwestern bringen einen Rollstuhl, setzen mich auch noch rein, dann fehlt wieder ein Stück.
So ging das dann eine Weile, ich dachte es geht..Versuch..schwank… hinleg.
Inzwischen konnte ich mich kaum noch bewegen, alle Gelenke gefühlte Ballons, schwergängig, bei Bewegung sofort schmerzhafter Protest!
Naja, was soll ich sagen. War wohl noch mindestens zwei weitere Stunden vor Ort, das Zeitgefühl ging mir verloren. Zum Schluss waren es ungefähr sieben Stunden. Sieben Stunden, die mein Auto auf dem Gehweg geparkt war, in Friedrichshain! Hab ich mir solche Sorgen gemacht! Und dass sie mich – ohne Abholkommando- nicht so schnell aus der Praxis lassen konnten, war auch klar! Und mein Auto DORT und ÜBERHAUPT allein zu lassen? Nie!! (Treue Leser kennen ja meine Auto-Macke).
Naja, nun hocke ich hier, wusste gar nicht, wieviel Gelenke so eine Hand hat, ALLES tut bei JEDER Bewegung weh, aus den Stiefeln bin ich gar nicht rausgekommen, Füsse dick wie vom Elefant geborgt und die Hände können nicht zufassen! Später hab ich es geschafft, Kaffee kochen ging irgendwie, Stulle schmieren nicht, auch egal…
Aber ich bin froh, auf meinem Sofa zu sitzen, mein Auto vor der Haustür geparkt und alles andere wird auch wieder…
Über’s Fernsehprogramm ärgern? Zeitverschwendung! Wie unwichtig!
An den Opi und die Omi & Geist denken? Ja. Leider. Oder nicht (leider)?

Wo ist mein Mantel???

Mantel