Alles anders [abc.etüden]

Sie hat es also getroffen. Schon in ihren guten – gemeinsamen- Zeiten hat sie darüber nachgedacht, wer wohl einmal übrig bleiben wird. Einer muss ja zuerst gehen. Von Vorsorge war da die Rede, eigentlich auch schon „vorher“ ein Umzug in eine Wohnung angedacht. Damit derjenige, der bleibt, finanziell so gestellt ist, dass er das auch allein übernehmen kann.

Aber nun ging alles ganz schnell. Er ist fort. Und sie muss schnell aus dem viel zu teuren Haus ausziehen. So geht sie durch die sich türmenden Dinge, fein sortiert, zur Abholung bereit. Die Teddys… fast alle ..bilden einen stattlichen Berg. Bald raumfüllend die gesammelten Mordillo- Puzzels, fein entpuzzelt zurück in die Originalkartons gewandert. Ein Haufen Wolle, die seidig glänzenden Stränge, immer wohl behütet, fast schon in Vorfreude bekuschelt, können gar nicht glauben, was ihnen hier passiert, gab es doch sogar ein Wollzimmer. Aber die Augen und Hände…das Stricken fiel ihr nicht mehr leicht. Außerdem gibt es für die Dinge noch ein paar Taler. In einer Ecke stehen geliebte Skulpturen ihres Lieblingskünstlers. Fast alle. Alles Herz- Haufen, Dinge, die sie sich nun aus dem Herzen reißen muss, denn auch sie wird nicht mehr lange bleiben. Sie ist nicht gesund und will ohne ihn nicht mehr. Was soll sie also noch mit dem vielen Geschirr? Ein Bowle-Gefäß, eine Salatschüssel? Braucht sie nie wieder, keine Feiern mehr, ihre kleinen Portionen passen in kleines Geschirr. Wenig nimmt sie mit in ihr neues kleines Zuhause.

*Weckerklingeln*

Miki reißt die Augen auf. Herrje, nur geträumt. Sie muss aufstehen. Sie geht an den überfüllten Kleiderschrank, vorbei an mit Puzzeln zugepflasterten Wänden die zwei Treppen ins Erdgeschoss, sieht auf jeder Etage die vielen Teddys, die auch hier wohnen, die gut befüllten Glasvitrinen.

Und so hat sie auf den vor ihr liegenden 375 Kilometern bis zum 1. Termin Zeit zum Nachdenken.

300 Worte

Das ist mein 3. Beitrag zu den abc.Etüden von Christiane. Maximal 300 Worte, diesmal um diese Begriffe drumrum: Salatschüssel, seidig, übernehmen.

Mitmacher sind immer willkommen! Eine neue Schreibeinladung gibt es jeweils am 1. und 3. Sonntag eines jeden Monats.

    • Myriade sagt:

      Interessant das Thema! Fein, dass du wieder mitschreibst :teddy:

      • Miki sagt:

        Ja, es ist auch interessant, was für Wege die Gedanken gehen, wenn 3 Worte im Text verwoben werden sollen. Ich nehme dann den ersten spontanen Gedanken auf und staune, was dabei raus kommt.
        Viele Grüße!

    • Christiane sagt:

      Ja, das sind Fragen, auf die man irgendwann Antworten finden muss. Aber ob es wirklich leichter ist, sich vorher zu reduzieren? Andererseits ist es bestimmt keine gute Alternative, es erst zu tun, wenn man es tun muss – denn dann geht es einem in der Regel nicht wirklich so, dass es einem leichtfällt. Kein leichtes Thema, aber ein gutes.
      Schön, dass du wieder mit dabeibist!
      Liebe Grüße
      Christiane

      • Miki sagt:

        Leider machen sich die wenigsten darüber Gedanken, zumindest setzen sie das nicht um. Überlassen das große Aufräumen den Erben. Nun ist es ja auch noch ein Thema, was man vielleicht nicht so gern anspricht.. Ich bin bisher im Leben so oft umgezogen, dass es immer wieder eine Grundbereinigung gab. Aber im Augenblick sehe ich skeptisch, dass das große Haus immer mehr befüllt wird. Ich weiß aber auch nicht wirklich, ab wann man sich von seinen Hobbys trennen sollte…. schwierige Sache….

    • Katharina sagt:

      Hey,
      ein beklemmender und nachdenklich machender Text.
      Ich habe auch versucht immer so wenig wie möglich zu besitzen, weil ich mind alle drei Jahre umgezogen bin. Aber man muss ja nicht nur das Materielle aufgeräumt haben. Mittlerweile hinterlassen wir eine Menge Daten und Acounts.
      Grüße, Katharina
      von http://www.kathakritzelt.com

      • Miki sagt:

        Hi Katharina, herzlich willkommen bei mir!
        Es ist schon seltsam, auf die einzige Reise, die wir alle sicher machen werden, bereiten sich die wenigsten vor. Ich bin aber auch ein wenig ratlos, wann man damit anfangen soll. Ich will ja wirklich nicht minimalistisch leben, aber kritischer anschaffen ist bei mir jetzt die Devise. Um den Datenmüll mache ich mir weniger Gedanken, aber recht hast du. Zu wirklich eigenen Blogs (nicht Facebook und so, wird ja auch gern als Blog bezeichnet… ) hab ich auch eine eigene Meinung: konservieren, Strichcode und den dann auf den Grabstein. Ich gehe gern über Friedhöfe und denke über die paar hinterlegten daten nach und fände schön, wenn der Interessierte gucken kann, wer sich da zur Ruhe gelegt hat. Kann man jetzt komisch finden…is nicht schlimm. ;)
        Viele Grüße!

    • Wir bemühen uns auch immer um kontinuierliches Ausmisten, aber einfach ist es nicht. Als wir 2003 hierhin gezogen sind und mehr Platz hatten, ist erstmal der ganze Mist mit umgezogen. Einen 7,5 Kubikmeter Container haben wir schon mal entsorgt.
      Wir waren in meiner Familie schon mehrfach in der Situation, als Erben aufräumen zu müssen, angenehm ist anders.
      Ein paar gute Denkanstöße nehme ich mit, vielen Dank!

      • Miki sagt:

        Hallo Viola, ich habe die Umzüge (und es gab einige) immer zum Reduzieren genutzt, auch aus Faulheit :lol:
        Aber bei den Hobbys ist das so eine Sache, wozu hat man das, sammelt, erfreut sich dran… und wie lange? Und dann?
        Ich denke da auch noch drauf rum,
        viele Grüße!

    • Berta sagt:

      Das Thema ist wie ein Weckruf.

      Bis auf weiteres nur ein „böser“ Traum. Gott sei Dank…
      Ja, es stimmt. Man schiebt diese ungeliebten Entscheidungen und Beschlüsse gern vor sich her.
      Sie machen allzu deutlich, dass alles endlich ist. Immer denkt man, dass man noch Zeit hat.

      • Miki sagt:

        Ich hoffe ja auch, ich bin mit diesen Gedanken „zu früh“ dran, aber man weiß es nicht. Ist auch so mit der Patientenverfügung und so, man sollte einfach vorsorgen und seine Lieben – im Zweifelsfall- nicht rätselratend alleine lassen…. Ich lege demnächst die „4“ vorne ab, vielleicht liegt es daran… (die Gedanken) :ko:


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