Makaber oder das Leben?

Neulich in einer Augenarztpraxis, ich sitze nah am Empfangs- Thresen, Frau Doktor will mich dann kurz reinnehmen (nicht als Patient).

Plötzlich ruft die am Thresen arbeitende Arzthelferin ihrer Kollegin im Behandlungszimmer zu: „die 11.10 Uhr kommt nicht, die ist schon tot!“ und wendet sich wieder ihrer Arbeit zu. Das „11.10 Uhr- Loch“ bekomme offenbar ich.

Davor hab ich aber noch Zeit, darüber nachzudenken. Die Ungerührtheit der (sehr netten, zu den lebendigen sehr herzlichen) Arzthelferin lässt mich vermuten, dass das öfter vorkommt. Aber wer zur Hölle erlebt seinen Augenarzt- Termin nicht? Was für ein Schicksal verbirgt sich dahinter? Wieviel Frevel und wie unmenschlich ist es, dass ich unter meiner Maske ganz kurz grinsen musste, weil es so skurril klang?

Zur Erläuterung; das Klientel in Augenarztpraxen ist allgemein sehr alt, der graue Star zum Beispiel erwischt (fast alle) in hohem Lebensalter. Das fast alle in zweierlei Hinsich; fast alle Betroffenen sind älter und es erwischt (uns) fast alle.

Während ich noch grübel, kommt eine ältere Dame rein; die Maske verdeckt das halbe Gesicht und die obere Hälfte ist auch fast weg wegen einer Augenklappe (nach Star- OP). Die Arzthelferin begrüßt sie freundlich mit Ihrem Namen. Patientin staunt: „Sie haben mich erkannt?“ (Lacht). Ich: „Ein Auge guckt doch noch raus!“ (Lachen). Arzthelferin: „Und die Frisur guckt auch raus!“. Patientin: „Frisur??“ (Lachen). Denn sie hatte noch keinen Friseurtermin erwischt.

War irgendwie lustig. So ist das Leben.
Ich geh mich mal kurz schämen.


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